Der Sommer ist Hochsaison für Flughäfen. Wie verändert sich Ihre Arbeit in dieser Zeit?
Wir haben in Österreich das Phänomen, dass nicht nur im Sommer Hochbetrieb herrscht. Aktuell betreuen wir die Flughäfen Graz, Salzburg und Innsbruck. Vor allem im Westen – also in Salzburg und Innsbruck – findet die Hochsaison im Winter statt, wenn täglich tausende Winterurlauber über diese Flughäfen an- und abreisen. Am Flughafen Graz sowie an vielen anderen Flughäfen ist hingegen die Sommerzeit die passagierstärkste Zeit.
Spürbar ist die Hochsaison vor allem beim Personaleinsatz. Das bedeutet mehr Leistungsstunden, längere Dienstzeiten und einen höheren Personalbedarf. Die Kontrollverfahren selbst kennen jedoch keine saisonalen Schwankungen. Die nationalen und internationalen Sicherheitsvorschriften gelten das ganze Jahr über und müssen jederzeit eingehalten werden.
Welche Herausforderungen bringt das erhöhte Passagieraufkommen mit sich?
Ein höheres Passagieraufkommen bringt natürlich auch einen gewissen Zeitdruck mit sich. Unser Ziel ist es, die Wartezeiten und den Kontrollprozess für die Fluggäste so kurz wie möglich zu halten. Gleichzeitig erwarten unsere Auftraggeber eine effiziente Personalplanung, damit die Kosten auch in der Hochsaison im Rahmen bleiben.
Trotzdem gilt ganz klar: Zeitdruck darf niemals Auswirkungen auf die Qualität der Sicherheitskontrollen haben. Alle Kontrollvorgaben müssen eingehalten werden – auch wenn das im Einzelfall etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Gerade Fluggäste, die nur selten fliegen, sind mit den Abläufen an der Sicherheitskontrolle oft nicht so vertraut wie Vielflieger. Hier braucht es Geduld und manchmal auch etwas mehr Erklärungsarbeit durch unsere Kontrollbediensteten.
Eine weitere Herausforderung ist die Dienstplanung. Natürlich möchten auch unsere Mitarbeiter*innen in der Hauptreisezeit Urlaub machen. Gleichzeitig benötigen wir genau dann den größten Personaleinsatz.
Worauf bereiten Sie sich und Ihr Team vor der Ferienzeit besonders vor?
Aufgrund des erhöhten Arbeitseinsatzes versuchen wir, zusätzliche Belastungen für unsere Mitarbeiter*innen möglichst zu vermeiden. Gesetzlich vorgeschriebene Schulungen und Trainings planen wir daher nach Möglichkeit außerhalb der Hauptsaison – idealerweise noch vor Saisonbeginn.
Das hat auch den Vorteil, dass Kontrollabläufe und Sonderfälle noch einmal aufgefrischt werden, bevor die arbeitsintensivste Zeit beginnt.
Welche Mythen über die Flughafensicherheit begegnen Ihnen immer wieder?
Ein Mythos hält sich besonders hartnäckig: Viele glauben, dass Kontrollbedienstete selbst entscheiden, wer genauer kontrolliert wird. Das stimmt nicht. Mit den sogenannten Quoten- oder Zufallskontrollen werden zusätzliche Kontrollen elektronisch ausgelöst und sind von außen nicht beeinflussbar. Trotzdem werden unsere Mitarbeiter*innen dabei manchmal Willkür oder sogar Rassismus unterstellt.
Ein weiterer Klassiker ist die Behauptung, dass die Röntgenstrahlung elektronische Geräte beschädigt oder Datenträger löscht. Tatsächlich ist die Strahlung eines Röntgendurchlaufs so gering, dass wir gesetzlich nicht einmal als strahlenexponierte Personen gelten. Ein Flug in rund 10.000 Metern Höhe bedeutet eine deutlich höhere Strahlenbelastung als das Durchleuchten des Handgepäcks.
An kuriose Beschwerden kann ich mich auch gut erinnern. Ein Passagier rief einen Tag nach seinem Flug an und behauptete, dass sich die Sohle seiner Schuhe gelöst hätte, weil sie durch den Scanner gefahren seien. Ein anderer war überzeugt, dass das Display seines iPads durch das Durchleuchten gesprungen sei. Solche Geschichten gibt es tatsächlich immer wieder.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag in der Flughafensicherheit aus?
Viele verbinden Flughafensicherheit ausschließlich mit der Fluggastkontrolle in der Abflughalle. Tatsächlich gehört aber noch viel mehr dazu: Streifendienste, mobile Sicherheitskontrollen, die Kontrolle von aufgegebenem Reisegepäck, Fahrzeugen, Flughafenlieferungen, Bordvorräten sowie Mitarbeitenden, Crews, Besucher*innen oder Privatfliegern. Auch Alarmüberwachungen oder die Sicherheitsaufsicht bei Baustellen am Flughafen zählen dazu.
Das bedeutet, dass ein Kontrollbediensteter jeden Tag eine andere Aufgabe übernehmen oder im Laufe eines Arbeitstages mehrere Stationen durchlaufen kann. Genau diese Abwechslung macht den Beruf spannend und verhindert eintönige Routine.
Welche Ausbildung oder Qualifikationen braucht man für diesen Beruf?
An erster Stelle steht ein einwandfreier Leumund. Bewerber*innen müssen eine Sicherheitsüberprüfung durch die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst absolvieren.
Darüber hinaus braucht es eine gute gesundheitliche Verfassung, gutes Sehvermögen – insbesondere im Rot-Grün-Bereich –, Englischkenntnisse, einen Führerschein der Klasse B sowie die Bereitschaft zu Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten.
Ebenso wichtig ist Stressresistenz. Nicht nur im Umgang mit Fluggästen, sondern auch bei den laufenden Qualitätskontrollen durch Einsatzleitung, Polizei, Flughafenbetreiber oder Behörden.
Die Ausbildung dauert in Österreich insgesamt fünf Wochen und ist europaweit sowie national klar geregelt. Während und am Ende der Ausbildung müssen mehrere Prüfungen erfolgreich absolviert werden. Danach erhält man eine Zertifizierung für drei Jahre. Anschließend ist eine erneute Sicherheitsüberprüfung und Rezertifizierung mit weiteren Prüfungen erforderlich.
Welche drei Tipps würden Sie Reisenden für einen stressfreien Start in den Urlaub geben?
Tipp 1: Informieren Sie sich rechtzeitig über die aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Lesen Sie ruhig auch einmal das Kleingedruckte bei der Buchung – auch wenn wir da wahrscheinlich alle hin und wieder etwas nachlässig sind.
Tipp 2: Je weniger Sie persönlich im Handgepäck mitführen, desto schneller und unkomplizierter verläuft die Sicherheitskontrolle.
Tipp 3: Diskussionen direkt an der Kontrollstelle führen meist nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Sicherheitsvorschriften sind national und international klar geregelt. Wenn ein Gegenstand nicht mitgeführt werden darf, gibt es oft Alternativen wie Hinterlegung, Aufbewahrung oder Nachsendung.
Gibt es neue Technologien, die den Ablauf einfacher oder sicherer machen? Wie wird sich die Flughafensicherheit in den nächsten Jahren verändern?
In der Flughafensicherheit gibt es laufend technische Neuerungen, die einerseits die Kontrollen beschleunigen und andererseits die Sicherheit weiter erhöhen sollen. Manche Technologien setzen sich durch, andere weniger. Ganzkörperscanner beispielsweise haben sich aufgrund vieler Falschalarme nicht überall bewährt.
Alle Geräte müssen vom European Civil Aviation Conference (ECAC) geprüft und zertifiziert werden. Nur zugelassene Systeme dürfen an Flughäfen eingesetzt werden.
Ein aktuelles Thema sind CT-Scanner für die Handgepäckkontrolle. Sie ermöglichen eine dreidimensionale Darstellung des Gepäcks und können flüssige sowie feste Sprengstoffe deutlich besser erkennen. Dadurch sind künftig Flüssigkeiten bis zu zwei Litern im Handgepäck erlaubt. Außerdem müssen Laptops oder andere elektronische Geräte nicht mehr separat ausgepackt werden. Das spart den Reisenden viel Zeit.
Eine Herausforderung wird künftig sein, Passagieren zu erklären, warum sie an manchen Flughäfen den Laptop oder die Wasserflasche noch auspacken müssen, obwohl sie das von anderen Flughäfen bereits anders kennen.
Auch sogenannte Remote-Control-Systeme könnten künftig eine größere Rolle spielen. Dabei überwacht ein*e Mitarbeiter*in mehrere Röntgen- oder CT-Anlagen gleichzeitig aus einem separaten Raum. Erkennt das System einen verdächtigen Gegenstand, wird das Gepäck automatisch für eine Nachkontrolle ausgeschleust.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz künftig?
Das ist derzeit noch schwer einzuschätzen. Die Hersteller geben aus Sicherheitsgründen kaum Auskunft darüber, in welchem Umfang künstliche Intelligenz bereits eingesetzt wird oder künftig eingesetzt werden soll.
Vorstellbar ist jedoch, dass Digitalisierung und KI künftig verstärkt bei der Steuerung von Passagierströmen und der Optimierung von Abläufen eingesetzt werden.
Fazit
Ob in der Sommer- oder Wintersaison – die Flughafensicherheit stellt sicher, dass Reisende sicher an ihr Ziel gelangen. Hinter jeder Kontrolle stehen klar geregelte Abläufe, moderne Technik und vor allem Menschen, die täglich mit hoher Verantwortung und großem Engagement arbeiten.
Das Gespräch mit Juergen Possnitz zeigt, wie vielseitig die Arbeit hinter den Kulissen tatsächlich ist: von der sorgfältigen Ausbildung über den Umgang mit steigenden Passagierzahlen bis hin zu neuen Technologien, die den Reisealltag künftig weiter erleichtern sollen.
Wer gut vorbereitet zum Flughafen kommt, trägt selbst zu einem reibungslosen Ablauf bei – und kann entspannter in den Urlaub starten.