Was bedeutet Trusted Advisor?
Wörtlich übersetzt bedeutet Trusted Advisor ungefähr „vertrauenswürdiger Berater“.
Gemeint ist damit ein Partner, der nicht nur eine bestimmte Leistung verkauft oder ausführt, sondern das Unternehmen und seine Herausforderungen versteht und auf dieser Basis berät.
Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen sagt: „Wir benötigen mehr Sicherheitskräfte.“ Ein klassischer Anbieter könnte daraufhin ein Angebot für zusätzliche Mitarbeiter erstellen. Ein Trusted Advisor würde zunächst fragen:
- Warum?
- Gab es mehr Vorfälle?
- Hat sich der Standort verändert?
- Gibt es neue Betriebszeiten?
- Fühlen sich Mitarbeiter*innen unsicher?
- Sind bestimmte Bereiche besonders betroffen?
- Oder könnten Technologie oder organisatorische Veränderungen das Problem möglicherweise besser lösen?
Erst wenn das eigentliche Problem verstanden wurde, wird über die Lösung gesprochen. „Trusted Advisor bedeutet nicht, dem Kunden zu sagen, was er kaufen soll. Es bedeutet, gemeinsam herauszufinden, was er wirklich braucht“, erklärt Alexander Sollgruber, Key Account Manager Securitas.
Was ist Risk Intelligence?
Risk Intelligence bedeutet vereinfacht: Informationen über mögliche Risiken zu sammeln, zu prüfen, zu analysieren und so aufzubereiten, dass Unternehmen daraus Entscheidungen ableiten können. Dabei können sehr unterschiedliche Entwicklungen relevant sein:
- geopolitische Ereignisse
- Proteste und gesellschaftliche Unruhen
- Kriminalitätsentwicklungen
- Cyberbedrohungen
- Extremwetter
- Terrorismus
- Risiken für Mitarbeiter*innen
- Risiken für Standorte und Lieferketten
- Entwicklungen rund um kritische Infrastruktur
Das Risk Intelligence Center von Securitas verbindet technologiegestützte Datenauswertung mit menschlicher Analyse. Ziel ist nicht, möglichst viele Informationen bereitzustellen, sondern zeitnahe, relevante und vor allem handlungsorientierte Erkenntnisse zu liefern.
Ist Risk Intelligence einfach ein Nachrichtenservice? Nein.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn in einem Land politische Proteste angekündigt werden, können Sie diese Information möglicherweise auch in einer Zeitung lesen.
Risk Intelligence stellt aber zusätzliche Fragen:
- Wo finden die Proteste statt?
- Welche Entwicklung ist wahrscheinlich?
- Befindet sich dort ein Standort unseres Kunden?
- Könnten Mitarbeiter*innen oder Lieferwege betroffen sein?
- Wie zuverlässig sind die verfügbaren Informationen?
- Besteht tatsächlich Handlungsbedarf?
Aus einer allgemeinen Nachricht wird dadurch eine für das Unternehmen relevante Einschätzung.
„Die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine Information interessant ist. Sondern ob sie für den Kunden relevant ist und seine Entscheidungen beeinflussen sollte“, sagt Sollgruber, Key Account Manager Securitas. Kann Risk Intelligence die Zukunft vorhersagen? Nein. Auch die beste Analyse kann nicht zuverlässig vorhersagen, was morgen passieren wird.
Risk Intelligence kann aber helfen, Entwicklungen, Muster und Warnsignale früher sichtbar zu machen. Das ist ein großer Unterschied. Man könnte es mit einem Wetterbericht vergleichen: Der Wetterbericht verhindert kein Gewitter. Aber wenn Sie früh genug wissen, dass eines wahrscheinlich ist, können Sie anders planen. Risk Intelligence verfolgt ein ähnliches Prinzip. Risiken werden nicht beseitigt. Unternehmen können sich aber besser darauf vorbereiten.
Was bedeutet das für ein Unternehmen in Österreich?
Nehmen wir ein fiktives österreichisches Unternehmen mit mehreren Standorten.
An einem Standort gibt es eine größere öffentliche Veranstaltung. Gleichzeitig wird in sozialen Medien zu einer Demonstration aufgerufen. In der Umgebung des zweiten Standorts kam es zuletzt wiederholt zu Vandalismus. Und für einen internationalen Zulieferer gibt es Hinweise auf politische Instabilität in dessen Region.
Keine dieser Informationen bedeutet automatisch, dass ein Sicherheitsvorfall bevorsteht. Aber gemeinsam können sie Fragen auslösen:
- Muss die Zufahrt zu einem Standort anders organisiert werden?
- Sollten Mitarbeiter*innen informiert werden?
- Sind für einen bestimmten Zeitraum zusätzliche Kontrollen sinnvoll?
- Muss eine alternative Lieferroute vorbereitet werden?
Genau bei solchen Entscheidungen kann Risk Intelligence unterstützen.
Österreich ist nicht vom weltweiten Risikogeschehen getrennt
Österreich gilt als sicheres Land. Das bedeutet jedoch nicht, dass österreichische Unternehmen von internationalen Entwicklungen unabhängig sind.
Der österreichische Verfassungsschutz weist unter anderem auf geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen, Spionage, Cyberangriffe und den zunehmenden Einsatz moderner Technologien hin. Gerade kritische Infrastruktur und Unternehmen mit technologischem Know-how können dabei relevant sein. Ein Produktionsbetrieb in Oberösterreich kann von einer internationalen Lieferkettenstörung betroffen sein. Ein Unternehmen in Wien von einer Demonstration vor seinem Standort.
Ein Hotel von geopolitischen Ereignissen, die die Reisebewegungen bestimmter Gäste beeinflussen. Ein Betreiber kritischer Infrastruktur wiederum von physischen, digitalen und hybriden Bedrohungen. Risiken kennen keine Unternehmens- oder Staatsgrenzen.
Wie entsteht aus Information Risk Intelligence?
Vereinfacht kann man sich den Prozess in fünf Schritten vorstellen.
- Informationen sammeln
Aus unterschiedlichen Quellen entstehen Hinweise auf mögliche Entwicklungen.
- Quellen überprüfen
Nicht jede Meldung ist korrekt. Gerade Social Media kann wertvolle frühe Hinweise liefern – gleichzeitig aber auch Falschinformationen, Spekulation oder veraltete Inhalte enthalten.
- Zusammenhänge analysieren
Ein einzelnes Ereignis sagt häufig wenig aus. Erst im Zusammenhang mit anderen Informationen wird erkennbar, ob tatsächlich eine relevante Entwicklung entsteht.
- Relevanz für das Unternehmen beurteilen
Dieser Schritt ist besonders wichtig. Eine weltpolitisch bedeutende Entwicklung kann für ein bestimmtes Unternehmen völlig irrelevant sein. Eine kleine lokale Veranstaltung kann dagegen erhebliche Auswirkungen auf dessen Betrieb haben.
- Handlungsmöglichkeiten ableiten
Die wichtigste Frage lautet am Ende: Was machen wir mit dieser Erkenntnis?
Risk Intelligence ohne Handlungsmöglichkeit bleibt Information. „Intelligence wird dann wertvoll, wenn Verantwortliche damit eine bessere Entscheidung treffen können“, erklärt Alexander Sollgruber, Key Account Manager Securitas.
Was ist der Annual Intelligence Estimate?
Ein konkretes Beispiel von Securitas ist der Annual Intelligence Estimate, kurz AIE.
Der jährlich erstellte Risikoausblick des Securitas Risk Intelligence Centers analysiert wesentliche globale und regionale Sicherheitsentwicklungen. Für Unternehmen in Österreich wurden 2026 insbesondere mögliche Auswirkungen auf Standorte, Lieferketten und kritische Assets hervorgehoben. Der Report behandelt unter anderem geopolitische Veränderungen, technologische Risiken, gesellschaftliche Polarisierung sowie zunehmende Verwundbarkeiten durch globale Abhängigkeiten.
Damit ist der AIE ein gutes Beispiel dafür, was Risk Intelligence leisten soll: Komplexität reduzieren und Orientierung schaffen.
Und was hat MySecuritas damit zu tun?
Neben externen Risikoinformationen entstehen auch innerhalb eines Unternehmens täglich wertvolle Sicherheitsdaten. Alarme. Kontrollberichte. Vorfälle. Beobachtungen.
Über MySecuritas können Kunden von Securitas Österreich solche Sicherheitsinformationen zentral einsehen. Analysen und Statistiken machen zusätzlich Muster und Trends sichtbar. Das ist wichtig, weil zwei Perspektiven zusammengehören:
- Der Blick nach innen: Was passiert an unseren Standorten?
- Der Blick nach außen: Welche Entwicklungen könnten unsere Standorte künftig beeinflussen?
Wer beide Perspektiven miteinander verbindet, erhält ein deutlich vollständigeres Bild seiner Risikolage.
Was unterscheidet Risk Intelligence von einer Risikoanalyse?
Die Begriffe sind verwandt, aber nicht identisch. Eine Risikoanalyse bewertet typischerweise Risiken eines Unternehmens oder Standorts zu einem bestimmten Zeitpunkt.
- Welche Gefahren bestehen?
- Wie wahrscheinlich sind sie?
- Welche Auswirkungen hätten sie?
- Welche Schutzmaßnahmen gibt es?
Risk Intelligence ist stärker laufend und dynamisch. Sie beobachtet, wie sich die Risikolandschaft verändert und ob neue Entwicklungen Auswirkungen auf das Unternehmen haben könnten. Man könnte deshalb vereinfacht sagen: Risikoanalyse: Wo stehen wir heute?
Risk Intelligence: Was verändert sich rund um uns?
Beides ergänzt sich. Securitas Österreich bietet Sicherheitsberatung an, bei der Gefahrenpotenziale und Schwachstellen analysiert und daraus konkrete Sicherheitskonzepte und Maßnahmen entwickelt werden.
Und wo kommt der Trusted Advisor ins Spiel?
Jetzt schließen sich die beiden Begriffe. Risk Intelligence liefert Erkenntnisse. Der Trusted Advisor hilft dem Unternehmen dabei, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Ein Report allein sagt möglicherweise: Das Risiko von Protestaktivitäten nimmt zu. Der Trusted Advisor fragt:
- Was bedeutet das für Ihren Standort?
- Müssen Zufahrten angepasst werden?
- Brauchen Mitarbeiter*innen Informationen?
- Müssen Kontrollzeiten verändert werden?
- Oder ist überhaupt keine Maßnahme notwendig?
Genau deshalb gehören beide Themen zusammen. Risk Intelligence schafft Orientierung. Der Trusted Advisor übersetzt diese Orientierung in die konkrete Sicherheitsstrategie des Kunden.
Muss dafür jedes Unternehmen eine eigene SIcherheitsabteilung haben? Nein. Gerade Unternehmen ohne eigene große Sicherheitsorganisation können davon profitieren, externe Expertise zu nutzen. Denn nicht jedes Unternehmen benötigt ein eigenes Team, das rund um die Uhr weltweite Risiken analysiert.
Entscheidend ist vielmehr, Zugang zu den Informationen und der Expertise zu haben, die für das eigene Geschäft relevant sind.
Am Ende geht es bei beiden Begriffen nicht um komplizierte Sicherheitsfachsprache. Es geht um eine sehr einfache Idee: Unternehmen sollten ihre Sicherheitsentscheidungen nicht allein auf Basis dessen treffen, was gestern passiert ist.
Sie sollten auch verstehen, was sich heute verändert und morgen relevant werden könnte. Dafür braucht es Informationen. Analyse. Erfahrung. Und einen Partner, der das Unternehmen gut genug kennt, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Das ist die Verbindung zwischen Risk Intelligence und Trusted Advisor.
Und sie ist ein zentraler Bestandteil von Intelligence-led Security.
Kurz zusammengefasst
Trusted Advisor: Ein Sicherheitspartner, der das Geschäft und die Risiken des Kunden versteht und ihn langfristig und proaktiv berät.
Risk Intelligence: Die systematische Analyse relevanter Informationen, um Risiken früher zu erkennen, besser zu verstehen und fundiertere Entscheidungen zu ermöglichen.
Intelligence-led Security: Der übergeordnete Ansatz, bei dem Menschen, Sicherheitsservices, Daten, Technologie und Intelligence miteinander verbunden werden.
Insight2030
In unserer Insight2030-Serie zeigen wir, wie diese Entwicklung bereits heute sichtbar wird – von IoT und vernetzter Sensorik über moderne Perimeterabsicherung bis zu Risk Intelligence. Denn gute Sicherheit beginnt nicht damit, auf alles vorbereitet zu sein. Sie beginnt damit, zu wissen, worauf man vorbereitet sein sollte.